Canicross: Das Fitnessprogramm für Mensch und Hund

Canicross: wenn der Hund seinen Zweibeiner an die Leine nimmt

Canicross – das ist eine ganz besondere Form des Hundesports, bei dem der Hund sein Herrchen oder Frauchen an die Leine nimmt. Der große Unterschied zu anderen Hundesportarten ist, dass hier nicht nur der Hund, sondern auch der Mensch sportlich aktiv sind und sich richtig auspowern können.

Ursprung dieser recht neuen Sportart war wohl das Skijöring, bei dem Zughunde an einem Geschirr ihre Halter auf Skiern hinter sich herzogen. In Frankreich wurden daraus sowohl Canicross als auch Bikejöring entwickelt. Bei letzterem sitzt der Mensch auf einem Mountainbike und wird von seinem Hund gezogen. Der Canicross-Sport nutzt den natürlichen Jagd- und Lauftrieb des Hundes, der mit seinem Menschen eine ganz neue Vertrauensbeziehung eingeht, da hier die Rollen umgekehrt werden: Der Hund geht mit dem Läufer Gassi. Beide sind an einer etwa zwei Meter langen Leine miteinander verbunden. Der Mensch gibt die Kommandos zur Richtungsänderung, der Hund führt und zieht den Läufer mit sich.

Wer ist für Canicross geeignet?




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Der Canicross-Sport nahm seinen Ursprung hauptsächlich mit Schlittenhunderassen wie Malamute und Husky. Mittlerweile ist die Sportart aber auch bei Haltern sämtlicher anderer Hunderassen beliebt geworden. Grundsätzlich kann jeder Hund Canicross-Läufe mitmachen, er sollte lediglich fit und von Natur aus lauffreudig sein. Da über einen längeren Zeitraum sehr schnell gelaufen wird, sollte der Sport bei höheren Temperaturen zum Wohl der Tiere nicht ausgeführt werden. Wer privat läuft, kann die Streckenlänge ohnehin selbst bestimmen; bei Wettkämpfen und organisierten Läufen gibt es verschiedene Streckenlängen von einem, fünf, acht oder auch mehr Kilometern. Tierische Teilnehmer unter zwölf Monaten dürfen nicht teilnehmen, die Läufer müssen meist zumindest sieben Jahre alt sein. Wer an Wettkämpfen teilnehmen möchte, sollte seinen Hund zuvor einige Monate an die Technik, die längeren Laufstrecken und die verwendeten Kommandos heranführen. Die ungewohnte „Perspektive“ und die Führungsposition des Tieres sorgen nicht nur für körperliches, sondern auch für mentales Hundetraining.

Auch der Läufer muss unbedingt eine gewisse Fitness mitbringen, denn durch die Zugkraft rennen die Läufer etwa 4 km/h über ihrem normalen Durchschnittstempo. Während die Hunde bergauf durch den Zug den benötigten Kraftaufwand der Läufer verringern und ihnen helfen, gilt es bergab und auf schwierigeren Streckenabschnitten, dem Zug entgegen zu wirken und die Balance zu halten. Auch trainierte Jogger haben nach ihren ersten Canicross-Versuchen meist Muskelkater.

Die Ausrüstung beim Canicross

Die Liste der benötigten Ausrüstung ist überschaubar und erschwinglich:

  • ein bequemes und gut sitzendes Zuggeschirr für den Hund
  • eine etwa zwei Meter lange Leine mit Panikhaken (der auch unter Zug sofort gelöst werden kann) und Rückdämpfer, der plötzliche Bewegungen ausgleicht
  • ein Bauchgurt, auch „Joggergurt“ genannt, der in Hüfthöhe getragen die Zugkräfte der Leine auf den Läufer überträgt
  • stabile Laufschuhe und regendichte Laufkleidung je nach Gelände – Canicross ist eine Cross-Country-Sportart, die am besten querfeldein oder im Wald betrieben wird

Kommandosbei diesem Hundesport

Es sind nur wenige Kommandos nötig, um diesen Hundesport auszuüben. Die Grundbefehle wie „links, rechts, vorwärts, schneller, zieh“ sind im Training für gelehrige Hunde kein Problem. Belohnung mit Leckerchen ist nicht empfehlenswert, denn der Hund sollte idealerweise immer nach vorn orientiert sein und nur auf die Bewegungen und Kommandos des Läufers achten. Nach der Trainingsrunde sind natürlich Leckerchen, Wasser und viel Lob angesagt. Nach einer Eingewöhnungsphase lernt der Hund, sich an das Tempo des Läufers anzupassen und zum Beispiel darauf zu reagieren, wenn dieser langsamer und der Zug auf die Leine dadurch größer wird.

Canicross Wettbewerbe

Noch steckt dieser Hundesport in vielen Ländern in den Kinderschuhen. Federführend ist Frankreich, aber auch in England, der Schweiz und Deutschland verbreitet sich diese Laufhundesportart. Sogar Europameisterschaften wurden schon abgehalten. Oftmals finden Wettbewerbe im Rahmen von Schlittenhundeveranstaltungen statt, sodass jedes Mensch-Hund-Team sich nach ein wenig Training mit anderen messen kann.

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