Trennung – Wie lang trauert ein Hund?

Wenn eine Trennung unumgänglich ist – Wie lange trauert ein Hund?

Über die Bedeutung von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit im Leben eines Hundes

Grundsätzlich ist die Behauptung zutreffend, Hunde lebten stets in der Gegenwart und machten sich keine Gedanken um Zukunft oder Vergangenheit. Sie interessiert nur das Jetzt. Wenn sich allerdings ihre Lebensumstände derart ändern, dass sie ihrer unmittelbaren Bezugspersonen oder ihrer Rudelmitglieder verlustig gehen, gerät ihre Welt aus den Fugen. Unangekündigte Abschiede bedeuten den Verlust existentieller Strukturen im Leben eines Rudeltieres. Sie ziehen eine außerordentliche Beunruhigung nach sich. Unsere Vierbeiner entwickeln den Drang das Verlorengegangene aufzusuchen, den eingebüßten Status quo wiederherzustellen.




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Wieviel Zeit ein Hund benötigt um mit einer Trennung seines Rudels klarzukommen, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Zum einen gibt es Hunderassen wie Schutzhunde, die sehr menschenbezogen gezüchtet sind und andere wie viele Terrier-Rassen, die ihre Arbeit auf sich allein gestellt unter der Erde im Bau verrichten sollen. Zum anderen ist bei solchen Überlegungen auf die Art der Trennungssituation abzustellen, da man solche unter Umständen gut einüben kann.

Eine Hundepension unbedingt gemeinsam auswählen

Vielleicht steht ein Urlaub oder ein Krankenhausaufenthalt an und Ihr Gefährte kann oder darf Sie diesmal nicht begleiten. Also suchen Sie nach einer passenden Bleibe und nehmen alle in Frage kommenden Hundepensionen persönlich mit Ihrem Vierbeiner unter die Lupe. Der Leiter einer derartigen Einrichtung wird Ihre Besorgnis mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Er weiß aus Erfahrung, Hunde warten ruhiger und vertrauensvoller an einem Ort, den sie bereits mit ihrem Rudel aufgesucht haben. Er wird Ihnen gerne die gesamte Anlage zeigen und dafür sorgen, dass sein zukünftiger Gast die Pension von Anfang an mit angenehmen Erlebnissen verknüpft. Besuchen Sie die Hundepension Ihrer Wahl vor Urlaubsantritt öfters. Lassen Sie dabei Ihren Hund auch mal alleine bei anderen Gasthunden, während Sie mit dem Leiter die organisatorischen Einzelheiten besprechen. Findet sich später im Urlaubsgepäck Ihres Hundes auch noch das eine oder andere von Ihnen getragene Kleidungsstück, so mildert Ihr Geruch den Trennungsschmerz und der Hund bleibt zuversichtlich, solange er sie “spürt”.

Never change a winning team

Begrüßt Ihr Gefährte den Pensionsbesitzer bald freudig wie einen alten Bekannten, wechseln Sie ohne zwingenden Grund auf keinen Fall den Anbieter. Wenn Ihr Hund sich wohlfühlt und den Ort mit Ihnen gemeinsam positiv verknüpft, wird er inmitten all der nach Ihnen duftenden Sachen auf Ihr Wiederkommen vertrauen.

Abschiede für immer

Anders ist die Situation bei einer dauernden Trennung wie der Auflösung des Rudels durch die Scheidung des hundeführenden Ehepaares. Auch hier wird sich Dauer des Trennungsschmerzes in erster Linie danach richten, inwiefern es bereits regelmäßige Abwesenheiten des ausziehenden Partners gegeben hat. Nachdem aber auch unsere Vierbeiner von den einer Trennung vorangehenden Streitereien beunruhigt werden, ist die einkehrende Ruhe nach der Trennung auch von Bedeutung. Der Hund als Rudelmitglied gewöhnt sich relativ rasch an die Situation, wenn er sie miterlebt, freut sich aber sein Leben lang unbändig, wenn er ehemals wichtige Bezugspersonen wieder trifft.

Trauer zulassen

Ähnliches gilt im Falle des Todes eines Rudelmitgliedes. Die Trauer bleibt in einem überschaubaren Rahmen, wenn man seinem Hund Gelegenheit gibt Abschied zu nehmen. Unsere vierbeinigen Gefährten spüren den herannahenden Tod. Sie begegnen unumkehrbaren Abschiedssituationen seltsam gedämpft, stets jedoch beschwichtigend freundlich. Ihr Kummer über den Verlust des Vertrauten zeigt sich in Phasen ungewohnter Ruhe und scheinbarer Teilnahmslosigkeit, die schließlich von Etappen der Ruhelosigkeit mit klagendem Winseln unterbrochen wird. Auch der Appetit lässt in dieser Zeit stark zu wünschen übrig.

Gestehen Sie Ihrem Hund seine Trauer zu. Verstärken Sie sein Unglück jedoch nicht, indem Sie ihm ständig besondere Leckerbissen anbieten oder ihm angeregt Trost zusprechen. Bleiben Sie beruhigend, nicht aufregend an seiner Seite. Sobald er bereit ist, wird er Sie sanft wedelnd zu einem Spiel oder einem Spaziergang auffordern. Dann wissen Sie, Ihr Hund hat abgeschlossen und blickt mit Ihnen gemeinsam nach vorne.

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