Die atopische Dermatitis beim Hund

Atopische Dermatitis beim Hund – Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Allergien treten nicht nur beim Menschen auf. Auch Vierbeiner sind in zunehmendem Maße von den allergischen Reaktionen und darauf folgende Entzündungsreaktion betroffen. Atopie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion auf den Kontakt mit harmlosen Umweltsubstanzen. Der Begriff Dermatitis bezeichnet eine Entzündungsreaktion der Haut.

Für den Mediziner stellt die atopische Dermatitis eine allergisch bedingte Hauterkrankung dar, die durch massiven Juckreiz begleitet wird. Nicht selten nimmt die Intensität der Beschwerden von Jahr zu Jahr zu. Die Hautentzündung kann in jedem Alter auftreten, bevorzugt jedoch zwischen dem dritten bis fünften Lebensjahr.

Mögliche Ursachen




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Die allergische Hautentzündung wird durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems ausgelöst. Dabei reagiert das Immunsystem des Vierbeiners fälschlicherweise abwehrend auf sonst harmlose Stoffe, sogenannte Allergene. Diese Umweltallergene kommen hauptsächlich saisonal in Form von Pollen (Frühjahr) und Gräsern (Sommer) vor, die der Hund über die Atemwege aufnimmt. Das gehäufte Auftreten der Entzündung bei bestimmten Rassen lässt zudem auf eine erbliche Veranlagung schließen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich auch Umweltbedingungen und der Aufenthaltsbereich unserer vierbeinigen Kameraden stark verändert. Dabei lebt heute die Mehrzahl der Hunde als liebenswertes Familienmitglied im Haus. Frauchen und Herrchen kümmern sich um dessen Wohl. Der Hund wird entwurmt, regelmäßige geimpft und bekommt oft vorgefertigtes, industrielles Futter und Leckerlis. Selbst im Futtermittel allergenhaltig sein und die Entzündung (Erkrankung beim Hund) auslösen.

Ein Daueraufenthalt in häuslicher Umgebung führt zwangsläufig auch zum ganzjährigen Kontakt mit Hausstaubmilben und vereinzelt Schimmelpilzen.

Welche Symptome treten auf?

Hauptsymptom der Erkrankung ist der massive Juckreiz. Besonders Gesicht, Innenseiten der Ohrmuscheln, Bauchregion, Gliedmaßen und Zwischenzehenbereiche, Beugeseiten von Sprunggelenk, Vordermittelfuß und Ellenbogen sowie Leistengegend sind betroffen. Bei den Hunderassen Staffordshire und Boxer ist beispielweise nur der untere Teil des Halses anfällig, der Rücken hingegen eher seltener. Eine allergische Dermatitis kündigt sich auch oft mit Entzündungen der Pfoten und wiederkehrenden Ohrerkrankungen an.

Als typische Verhaltensmerkmale gelten Kratzen und Beißen der Pfoten sowie ständiges Reiben des Kopfes an Gegenständen. Durch diese intensiven Einwirkungen kommt es häufig zu Hautrötungen. Die Haut ist gereizt, wird schuppig und nässt. Viren und Bakterien haben somit leichtes Spiel, dringen durch die kleinen Verletzungen in die Haut und können mitunter bakterielle Infektionen verursachen. Auf diese Weise kann es an den Füßen zur Entstehung einer Pododermatitis und am Ohr zur Bildung einer Pododermatitis kommen.

Ein ideales Brutklima für Keime ist bei einer dicken und dichten Unterwolle gegeben. Demnach sprechen besonders Berner Sennenhunde, Schäferhunde, Retriever oder Neufundländer öfters auf die Erkrankung an als Rassen mit dünnem Fell.

Feststellung der Diagnose

Im Ergebnis des Ausschlussverfahrens und eines intensiven Anamnesegespräches ist es dem Tierarzt möglich, die passende Diagnose zu stellen. Hierfür erkundigt sich der Tierarzt nach wichtigen Details zu Erbkrankheiten, genetischen Veranlagungen, Unregelmäßigkeiten im Verhalten des Hundes, Rivalenkämpfen mit Verletzungen sowie zu derzeit vorhandenen Symptomen.

Zuerst erfolgt der Ausschluss von ähnlichen juckreizauslösenden Erkrankungen. Dazu zählen die bakterielle Hautentzündung (Staphylokokkenpyodermie), eine Futtermittelunverträglichkeit oder der Befall von Milben. Besteht kein Verdacht, handelt es sich um eine atopische Dermatitis, die durch eine Blutuntersuchung beziehungsweise eines Hauttests zur Bestimmung der allergieauslösenden Allergene näher untersucht wird.

Der Allergietest erfolgt im Verfahren ähnlich wie beim Menschen. Das Fell auf der Brustseite des Hundes wird geschoren, damit der Tierarzt kleine Probemengen an Allergenen mittels Intrakutantest unter die Haut spritzen kann. Die Haut wird hierbei nur leicht angeritzt. Das Ergebnis ist schon innerhalb von 30 Minuten sichtbar. Zeigt sich an der betroffenen Stelle eine Schwellung und Rötung, ist eine allergische Reaktion gegeben. Im Speziallabor wird das abgenommene Blut auf bestehende Antikörper des Patienten gegen mögliche Varianten an Allergenen getestet. Das Ergebnis hängt von der Wirkungsdauer des jeweiligen Präparates ab und kann bis mehrere Wochen dauern.

Behandlungsmöglichkeiten

Die atopischen Dermatitis, die zur Gruppe der chronischen Erkrankungen zählt, bedarf einer lebenslangen Behandlung. Hierbei wird zwischen der symptomatischen und der ursächlichen Therapie unterschieden.

Die ursächliche Therapie beinhaltet die Reduzierung der Allergenbelastung, um Überempfindlichkeitsreaktionen zu verringern. Dazu zählen neben der Schaffung einer hausstaubarmen Umgebung auch die Hyposensibilisierung, bei der dem Vierbeiner über Injektionen die Allergene zugeführt werden, die bei ihm die überempfindlichen Reaktionen auslösen. Dies geschieht allerdings nur in sehr geringen Mengen über einen längeren Zeitraum. Das Ziel ist die Bildung von Antikörpern.

Bei der symptomatischen Therapie werden Juckreiz und Entzündungen behandelt. Zum Einsatz kommen juckreizstillende Mittel wie essentielle Fettsäuren, juckreizhemmende Shampoos, Cyclosporin und Antihistaminika. Mitunter kann dadurch der Einsatz von cortinsonhaltigen Wirkstoffen vermieden werden.

Kleiner Tipp!

Unter der Erkrankung leidet nicht nur der kleine Liebling, sondern in gewisser Weise auch die ganze Familie! Deshalb sollten alle Beteiligten in die Behandlung des vierbeinigen Kameraden mit einbezogen werden. Hierbei helfen mitunter schon Ablenkung durch ein Spiel oder zusätzliche Streicheleinheiten, um unnötige Kratzattacken zu verhindern. Diese Zuwendung ist für die Hundepsyche sehr wichtig und kann dazu beitragen, den Weg in Richtung Gesundheit maßgeblich zu beeinflussen.

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Bilder Quellenangabe:

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