Mein Hund hat mich ausgesucht

Hat Dein Hund Dich ausgesucht?

Ein Blick in die Augen des Hundes reichte und es war klar: “Mein Hund hat mich ausgesucht, nicht anders herum!” Dieser Überzeugung sind viele Hundebesitzer. Und nicht selten ernten sie dafür von anderen Menschen nur ein irritiertes Lächeln oder im schlimmsten Fall einen mitleidigen Blick. Schließlich kann es doch gar nicht sein, dass ein Vierbeiner diese Entscheidung trifft. Er ist ja schließlich nur ein Tier. Das kann diese Entscheidung ja gar nicht treffen und es war sicherlich alles nur Zufall, oder? Ja, natürlich kann man das so sehen. Aber es gibt auch eine andere Sichtweise.

Wenn der Hund sein Herz verliert



Eine Freundin berichtete mir einmal mit einem ganz besonderen Glänzen in den Augen von dem Moment, in dem sie ihren jetzigen Hund kennenlernte. Sie war über ein Zeitungsinserat auf einen süßen Cocker Spaniel aufmerksam geworden, der bei einem Tierschutzverein auf Vermittlung wartete und sie verliebte sich spontan. Vor Ort befand sie sich dann in einem Garten mit den anderen Hunden, die der Verein vermittelte und der Spaniel schnüffelte kurz an ihrer Hand, drehte sich um und ging wieder zu seinen Hundefreunden. Natürlich war meine Freundin irritiert und auch ein wenig traurig – aber das war schnell vorbei.

Während sie sich noch mit der Dame vom Verein unterhielt, legte sich auf einmal etwas auf ihre Füße, dass sich beim Hinsehen als Mischlingshündin entpuppte, die wie ein wild gewordener Wischmob aussah. Sie war wirklich keine Schönheit, war noch nicht in den Genuss eines Hundefriseurs gekommen und wirkte ungepflegt. Die Tierschutz-Dame versuchte gleich die Situation zu erklären und erzählte, dass die Hündin aus schlechten Verhältnissen geholt wurde und erst zwei Tage beim Verein war. Man könne daher nichts über ihr Verhalten sagen. Aber das war egal, denn die Kleine wich meiner Freundin nicht von der Seite und sie schwört noch heute, dass sei beim Blick in die Augen der Hündin die Feststellung las, dass sie beide einfach zusammen gehören.

Schon Antoine de Saint-Exupéry schrieb in dem Klassiker “Der kleine Prinz”, dass mit dem Herzen mehr gesehen werden kann als Augen jemals wahrnehmen könnten. Warum sollte es dann also nicht möglich sein, dass Fellnasen ihr Herz an bestimmte Menschen verlieren und somit jede weitere Diskussion hinfällig werden lassen? Ähnliche Geschichten wie die obige hört man auch häufig, wenn sich Interessenten Welpen anschauen. Einer hängt sich ganz besonders an ihre Fersen und hat dann somit die Wahl selbst getroffen.

Romantische Vorstellung oder Realität?

Skeptiker der Theorie, dass Hunde sich Menschen selbst aussuchen, haben immer eine Menge Argumente parat, wenn es um das Thema geht. Sie führen an, dass Hunde ja in dem Moment gar nicht wissen, das sie vermittelt werden sollen. Sie wissen also nicht, dass es für sie ein anderes Zuhause mit anderen Bezugspersonen geben könnte. Wie könnten sie also eine bewusste Wahl treffen, wenn es dieses Hintergrundwissen nicht gibt? Mehr als ein bisschen Sympathie oder die feine Nase, die die Leckerlies in der Jackentasche erschnüffelt hat, lassen sie als Erklärung nicht zu.

Auf der anderen Seite ist es aber auch unbestritten, dass die Vierbeiner ein unheimlich feines Gespür für das haben, was in uns Menschen vorgeht. Und sie können sicher auch ganz gut erkennen, was um sie herum geschieht. Sollte es dann also nicht auch möglich sein, dass sie die Situation erfassen und dementsprechend reagieren? Oder das sie zumindest die Nervosität aufnehmen und dann zu dem Menschen gehen, der ihnen das größte Gefühl von Sicherheit vermittelt? Das wäre doch auch eine Erklärung! Und in diesem Fall wäre ganz klar, dass das Tier sich seine Menschen aussucht, ohne der Realität einen kitschigen Überzug zu verpassen.

Wenn es passt, dann passt es einfach

Wie auch immer die erste Begegnung mit dem neuen Vierbeiner abläuft – etwas Magie ist wohl immer im Spiel. Selten wird ein Tier wohl nach rein rationalen Kriterien ausgewählt (Zucht-Tiere einmal ausgenommen), sondern immer spielen Gefühle mit in die Entscheidung hinein. Und wenn wir Menschen das Gefühl haben, dass der Vierbeiner die Entscheidung getroffen hat, ist das völlig in Ordnung. Es ist sogar mehr als in Ordnung, denn das ist der erste Schritt zu einer tollen Beziehung, die nicht selten Seelengefährten hervorbringt.

Für die Realisten: Ob ein Tier seinen Menschen wirklich auswählt oder ob das Tier hier vermenschlicht wird, macht schlussendlich keinen Unterschied. Werden Tiere auf diese Art in ein gutes neues Zuhause vermittelt, in dem sie geliebt und umsorgt werden, ist alles egal. Und allein mit der Geschichte aus Sicht der Besitzer öffnen sich weitere Herzen und somit auch weitere potentielle Zuhause für tolle Hunde, die dann fortan das Leben der Menschen bereichern!

Autorin: TB

Buchempfehlung

Ein Freund fürs Leben: Was Hunde uns über Gott, das Leben und die Liebe zeigen
  • H. Norman Wright
  • Herausgeber: Francke-Buchhandlung
  • Auflage Nr. 1 (01.09.2014)
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Bilder Quellenangabe:

  • i love my dog: #124489595 | © cunaplus - Fotolia.com

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.